Eine Botschaft für das Rathaus

21.12.2017

Rund ein Dutzend Grossrätinnen und Grossräte folgten am 27. November 2017 der Einladung des Projektteams von «Transition to Home», um sich das Projekt vorstellen und die Abteilung Neonatologie in der Universitätsklinik für Kinderheilkunde Inselspital zeigen zu lassen.

Engagierte und interessierte Grossrätinnen und Grossräte unterschiedlicher politischer Zugehörigkeit nahmen sich während der Sitzungspause am Zibelemärit die Zeit, um das Projektteam von «Transition to Home» sowie Vertreterinnen und Vertreter der Berner Fachhochschule BFH und des Inselspitals Bern zu treffen. Dr. med. Denis Bachmann, stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsklinik für Kinderheilkunde, begrüsste die Anwesenden und wies auf das neue Versorgungsmodell hin, das frühgeborenen Kindern und ihren Eltern eine Betreuung auch nach der Spitalentlassung ermöglichen soll. Im Vergleich zu anderen Patientengruppen innerhalb der medizinischen Versorgung verfügt die Gruppe der frühgeborenen Kinder mit ihren betroffenen Eltern noch über keine politische Lobby, weshalb der Besuch der politischen Vertreterinnen und Vertreter ausserordentlich geschätzt wird.

PD Dr. Eva Cignacco, Leiterin der «Angewandten Forschung und Entwicklung» Geburtshilfe BFH, erläuterte den Anwesenden die Projektziele und den Grund für die Einladung:

In seiner Antwort auf die von  Grossrätin Nathalie Imboden (Grüne) eingereichte Interpellation «Familien nach einer Frühgeburt mit einem integrierten Versorgungsmodell unterstützen» äusserte sich der Regierungsrat im Februar 2017 dahingehend, dass aus seiner Sicht «keine Versorgungslücke» nach der Spitalentlassung von frühgeborenen Kindern besteht. (Antwort auf Interpellation 148-2016). Für das Projektteam und die verantwortlichen Fachpersonen zeigt diese Antwort, dass das Projektziel und der damit verfolgte Ansatz der Gesundheitsversorgung «ambulant vor stationär» noch nicht verstanden wurde. Mit «Transition to Home» soll die integrierte Versorgung umgesetzt und der Übergang von der stationären Behandlung zur ambulanten Betreuung erleichtert werden. Zudem lebt das Projekt, das eine Untersuchung der Wirksamkeit des Versorgungsmodells einschliesst, die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis und ist ein Beispiel für die Akademie-Praxis-Partnerschaft, welche die BFH mit der Insel Gruppe pflegt.

Die Projektleiterin Natascha Schütz Hämmerli stellte den Gästen anschliessend die Grundzüge des Projekts vor. Bisher wurden in der Machbarkeitsphase zwei Familien von spezialisierten Advanced Practice Nurses (APN) im Übergang  vom Spital nach Hause begleitet und betreut. In der für 2018 geplanten Pilotphase werden die ersten Resultate dieser Interventionen wissenschaftlich ausgewertet. Natascha Schütz Hämmerli betont, dass sich das Projekt durch seinen präventiven, gesundheitsfördernden Ansatz und durch die Optimierung der Versorgungsstrukturen hervorragend in die Gesundheitsstrategie 2020 des Bundesrates einfügen lässt. Um die Finanzierung der zusätzlichen Leistungen für die Betroffenen nachhaltig zu sichern, braucht das Versorgungsmodell jedoch die politische Unterstützung und muss innerhalb der gesamten Gesundheitsversorgung verankert werden. Im Anschluss an die Vorstellung des Projekts bekamen die Grossrätinnen und Grossräte die Gelegenheit, die Neonatologie mit ihren 32 Betten zu besuchen. Der Blick in die Intensivstation und das Spüren dieser fragilen Situationen berührte die Gäste sehr. Den Pflegefachpersonen wurden viele Fragen zur Behandlung der frühgeborenen Kinder und zur Einbindung der Eltern in diesen ungeplant frühen Start ins Leben gestellt.

Betroffen und mit vielen Eindrücken kehrten die Grossrätinnen und Grossräte zum Tagesgeschäft zurück – nicht ohne vorher ihr Interesse am weiteren Verlauf des Projekts und ihr Mittragen auf politischer Ebene zugesichert zu haben.