Pflegeforschung 10.0 an der Berner Fachhochschule – Forschung, die wirkt und ankommt

Seit zehn Jahren betreibt die Berner Fachhochschule (BFH) Pflegeforschung. Am 28. September 2016 feierte das Team dieses Jubiläum mit Weggefährtinnen und -gefährten aus Forschung und Praxis. Nachfolgende Zeilen resümieren, was das Motto «Innovative Forschung, die ankommt!» seit 2006 zum Programm werden lässt.

Pflegeforschung ist…

 

… innovativ

Die Pflegeforschung der BFH forscht evidenz- und anwendungsbasiert, sowohl disziplinär wie auch interdisziplinär und am Schnittpunkt von Lehre und Praxis. Das heisst, wir nehmen Forschungsfragen auf, die herausfordern und im deutschsprachigen Raum kaum untersucht werden. Wir reflektieren die Praktiken der Lehre und der Forschung, hinterfragen das wissenschaftliche und methodische Vorgehen – und optimieren dieses dadurch.

Damit unsere Forschung der Anwendungsorientierung entsprechen kann, müssen wir am Puls der Praxis sein: Wir nehmen Anliegen aus der Praxis auf, bearbeiten diese und setzen die Ergebnisse so um, dass sie einen direkten Nutzen für Pflegefachpersonen und/oder Patientinnen und Patienten haben. Dank des aktiven Austauschs und der engen Zusammenarbeit mit Praxis– und Forschungspartnern gelingt uns dies seit zehn Jahren.

…partizipativ

Bereits das erste Projekt, «Mind Care» im Auftrag der Spitex Bern, wurde mit dem Eulen Award der Stiftung «generationplus» ausgezeichnet. Diese Auszeichnung honorierte den partizipativen Ansatz sowohl im Zuge der Planung und der Durchführung. Der Einbezug der Patienten- und Angehörigenperspektive genauso wie die Zusammenarbeit mit Partnern sind bis heute zentrale Pfeiler wirksamer Pflegeforschung. Die Pflegeforschung der BFH hat Institutionen darin unterstützt,

  • die Pflegenden aller Qualifikationsstufen ihren Kernkompetenzen entsprechend einzusetzen,
  • das Aggressionsmanagement von Gesundheitsfachpersonen zu verbessern,
  • die Pflegequalität durch regelmässige und systematische Qualitätsmessung weiter zu entwickeln,
  • die Lebensqualität von Heimbewohnenden zu reflektieren.

Auch mit der «Technologisierung im Gesundheitswesen», einem unserer jüngsten Forschungsfelder, setzen wir auf die Betroffenenperspektive zur Verbesserung technologischer Entwicklungen und ihrer Nutzerfreundlichkeit. Darüber hinaus beschäftigt uns aktuell die Frage, wie krankheitserfahrende Menschen systematisch als Mitwirkende in Forschung und Lehre einbezogen werden können.

…Synergien im Team nutzen

Mit dem steigenden Bedarf an Forschung und Dienstleistung ist das Team der Pflegeforschung gewachsen. Hatte die Pflegeforschung in ihren Anfängen eine Vollzeitstelle zur Verfügung, ist sie gegenwärtig mit 14½ Vollzeitstellen, die sich auf 18 Personen verteilen, aufgestellt. Ausserdem sind im Gegensatz zu den Anfangszeiten jegliche akademischen Ausbildungsstufen in Projekte involviert. Das heisst, Hilfsassistierende (Studierende des Bachelor in Pflege), wissenschaftliche Assistentinnen und Assistenten (Studierende im Programm MSc in Pflege), wissenschaftliche Mitarbeitende (mit einem MSc), Doktorandinnen und Doktoranden der Pflege- und Gesundheitswissenschaft sowie Dozierende mit einem Doktorat – sie alle arbeiten gemeinsam an Forschungsprojekten. Genauso wichtig wie die Zusammenarbeit im Team der Pflegeforschung der BFH sind ihre Netze nach aussen: Immer häufiger wird in interprofessionellen Teams gearbeitet. Die Nutzung von Synergien ist nicht nur hier elementar, sondern darüber hinaus auch im kompetitiven Forschungsumfeld.

…fördernd

In Zusammenarbeit mit der Universität Maastricht und der Medizinischen Universität Graz bilden wir im «PhD Program in Nursing Science» unsere Nachwuchsforschenden aus. Darüber hinaus fördern wir Mischprofile – Forschende mit Mischprofil sind neben ihrer Forschungstätigkeit sowohl in der Lehre oder/und der pflegerischen Praxis tätig. Forschung, Praxis und Lehre fliessen so ineinander über und werden dem Nachwuchs zugänglich.

…messbar

65 Forschungsprojekte führte die Pflegeforschung der BFH seit 2006 durch. Im wissenschaftlichen Umfeld werden Forschungen indes an der Zahl und Qualität der Publikationen bewertet: 59 wissenschaftliche Publikationen in peer reviewten Journals, 38 Bücher oder Buchkapitel, 100 Beiträge in Fachzeitschriften, 238 Abstracts in Kongressbänden zu wissenschaftlichen Präsentationen und Fachvorträge in 15 Ländern – so lautet unsere Bilanz nach zehn Jahren. Die Pflegeforschung der BFH ist national und international positioniert. Sie leitet gesamtschweizerische Projekte und ist unter anderem mit der Yale University in den USA und der University of Central Lancashire in England vernetzt.

Publikationen seit 2006

…dynamisch

In den ersten Jahren standen Fragestellungen zu Pflege und Unterstützung von psychisch kranken Menschen im Zentrum der Pflegeforschung an der BFH. Im Laufe der Jahre veränderten sich die Forschungsthemen, neue kamen hinzu und unsere Forschungs- und Methodenkompetenzen wuchsen mit ihnen. Heute forschen wir vorwiegend zu folgenden Themen:

  • Psychosoziale Gesundheit
  • Gesundheitsversorgung – Personalkompetenzen und Entwicklung
  • Qualitätsindikatoren und Qualitätsentwicklung
  • Technologisierung im Gesundheitswesen

Die Dynamik hat die Pflegeforschung auch an anderer Stelle erfasst: Ein wichtiger Bestandteil bildet heute die Akquise von Forschungsfinanzen. Den Bedeutungszuwachs finanzieller Mittel verfolgen wir mit Besorgnis, denn gerade in der Pflegeforschung gibt es Bereiche, die wichtig sind, jedoch über wenig finanziellen Spielraum verfügen.

… wirksam

Nachfolgende Projekte übten und üben auch aktuell noch grossen Einfluss auf die Praxis aus:

  • Forschungsprojekt RESPONSE: Die nationale Umfrage zu Lebens- und Pflegequalität im Pflegeheim aus Sicht der Heimbewohnerinnen und -bewohner. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflegeforschung der Universität Basel.
  • Forschungsprojekt PANORAMA – Gesundheitsberufe 2030: Eine breit angelegte Studie zu den Fragen: Wie sieht die Gesundheitsversorgung 2030 aus? Was bedeutet das für die Ausbildungen im Gesundheitsbereich? In Zusammenarbeit mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern.
  • Forschungsprojekt ORIENT: Eine Pilotinterventionsstudie zu Beziehungsaufbau, Zielerarbeitung und adäquater Gesprächsführung in der psychiatrischen Pflege. Das Projekt zielt auf Empowerment, Recovery, soziale Inklusion sowie Zielerreichung. In zwei psychiatrischen Kliniken wird eine Schulungsintervention eingeführt und deren Wirkungen auf Mitarbeitende und Patienten evaluiert.
  • Kontinuierliches Arbeiten an der Aggressionsthematik. Dadurch wurde die Entwicklung der pflegerischen Praxis in Richtung Deeskalation und Nachsorge nach Übergriffen vorangetrieben. Die psychosoziale Gesundheit von Mitarbeitenden ist deutlicher in den Fokus gerückt.
  • Qualitätsmessung und -entwicklung: Diverse Projekte in der Spitex zu Aspekten der Qualität in der ambulanten Versorgung. Die jährlich stattfindende Punktprävalenzmessung Sturz und Dekubitus in der Zusammenarbeit mit einem internationalen Forschungsteam.
  • Grades und Skills: Diverse Praxisprojekte im Bereich der Langzeitpflege sowie der Akut- und Überganspflege zu kompetenzgerechtem Personaleinsatz in Pflege und Betreuung.

… anspruchsvoll

Forschung benötigt Zeit und steht damit oft im Widerspruch zum Anspruch der Auftraggebenden, möglichst schnell Resultate zu generieren. Ausserdem wachsen der administrative Aufwand und das Aufgabenspektrum der Forschungsleitenden. In diesem Kontext gute Forschung zu betreiben, ist herausfordernd. Dank der Rahmenbedingungen an der BFH und der engen Zusammenarbeit mit Partnern aus diversen Praxis- und Entwicklungsfeldern – damit einhergehend dank Stiftungs- und Fördergeldern – haben wir uns etabliert.

…befriedigend

Forschen setzen wir gleich mit dem Entdecken von Neuem, von Unerwartetem. Der Forschungsprozess und der Austausch mit dem interessierten Fachpublikum sind für die Forschenden elementar. Genauso die Zusammenarbeit mit Patientinnen und Patienten, mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie mit den Pflegefachpersonen in den Institutionen. Ein Mitglied des Forschungsteams fasst die Faszination aus subjektiver Sicht zusammen: «In den Daten wühlen, sie analysieren und im Team diskutieren. Hinter den Vorhang schauen und entdecken, wie etwas funktioniert und zusammenhängt, alles hinterfragen dürfen und müssen – das alles fasziniert mich.»

So bewegt sich die Pflegeforschung zwischen Leistung und Leidenschaft, zwischen Herausforderung und Freude. Unser Fazit nach 10 Jahren Pflegeforschung an der BFH lautet:

  • Pflegeforschung an der BFH nützt den Pflegenden, den Patientinnen und Patienten sowie der Bevölkerung.
  • Pflegeforschung an der BFH wird durchgeführt von Menschen, die ihre Persönlichkeit, ihre Werte und ihre Visionen einbringen.
  • Pflegeforschung an der BFH ist ein Erfolgsmodell.

10 Jahre Pflegeforschung an der BFH - Jubiläumsanlass vom 28. September 2016