Bachelor of Science in Physiotherapie

Physiotherapie ist eine Hochschuldisziplin, die über wissenschaftliche Grundlagen verfügt. Als Profession verlangt sie zugleich eine hohe Handlungskompetenz.

Die Bolognareform gliedert das Studium in zwei Stufen mit einem Bachelor- und einem Masterabschluss. Es baut auf den Vorkenntnissen der Studierenden auf und ist vorwiegend generalistisch ausgerichtet. Ziel ist die Berufsbefähigung der Absolvierenden.

Auf dem Bachelor baut der Masterstudiengang Physiotherapie auf.

Die psychomotorische Funktionsfähigkeit eines Menschen kann ganz unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft reduziert sein. Oft geschieht dies auf Grund einer Erkrankung oder eines Unfalls, es können aber auch genetische oder mit dem Alter einhergehende Veränderungen zu Grunde liegen. Physiotherapie-Fachleute unterstützen die Betroffenen darin, verlorene Funktionen wiederzuerlangen oder besser mit funktionellen Einschränkungen umgehen zu können. Sie unterstützen und beraten aber auch vermehrt präventiv und tragen so zur Gesundheitsförderung in der Bevölkerung bei. Die Physiotherapie bemüht sich um die wissenschaftliche Begründung ihres Handelns.

Menschen ihre Bewegungsfreiheit zurückgeben

Die Physiotherapie-Fachleute beurteilen auf Grund einer Analyse der Funktionsfähigkeit, inwiefern sich eine Erkrankung oder eine Störung im täglichen Leben auswirkt. Sie untersuchen die betroffenen Menschen eingehend und leiten daraus gemeinsam mit ihnen die Behandlungsziele ab. Die eigentliche Behandlung beinhaltet auch die Beratung und die Motivationsarbeit, selber am Gesundungsprozess mitzuwirken. Zur Unterstützung dieses Prozesses wenden Physiotherapie-Fachleute verschiedene Methoden und Techniken an.

Fingerspitzengefühl gefragt

Physiotherapeutische Arbeit bedeutet in erster Linie eine Begegnung mit Menschen. Sie beinhaltet den Einsatz verschiedener Instruktionsformen, um die Behandlungsziele und -inhalte zu kommunizieren. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Berührung: Physiotherapie-Fachleute setzen ihre Hände als Arbeitsinstrument ein. Der enge Kontakt zur Patientin oder zum Patienten und die daraus entstehende Beziehung können belastend sein. Sie sind immer auch eine Herausforderung. Physiotherapie-Fachleute müssen lernen, sich abzugrenzen, was nicht immer leicht fällt. Das intensive Wechselspiel zwischen Kommunikation und Fachwissen macht neben anderem den besonderen Reiz dieses Berufes aus.

Eignung für den Beruf

In der Physiotherapie sind Persönlichkeiten mit einer überdurchschnittlichen Sozial- und Selbstkompetenz sowie einer guten psychischen und physischen Belastbarkeit gefragt.

Für das Studium der Physiotherapie geeignete Männer und Frauen

  • verfügen über ausgeprägte taktile und manuelle Fertigkeiten
  • bringen eine vielfältige Bewegungserfahrung mit und haben Interesse an der Bewegung
  • nehmen Anteil an ihrem Gegenüber und haben gute kommunikative Fähigkeiten
  • haben sich ein gutes Vorwissen in naturwissenschaftlichen Fächern (Niveau Fach- bzw. Berufsmaturität Gesundheit) erarbeitet
  • verfügen über gute Englischkenntnisse oder sind bereit, sich diese neben dem Studium anzueignen
  • zeigen eine rasche Auffassungs- und Beobachtungsgabe und sind fähig, auch komplexe Zusammenhänge zu analysieren und zu verstehen
  • haben ein hohes Mass an Verantwortungsgefühl
  • sind fähig, mit andern Menschen im Team zusammenzuarbeiten

Aufgaben

Die Physiotherapie als Profession hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während früher die Behandlung auf Grund ärztlicher Vorgaben oft nach klaren Schemata ablief, untersuchen und behandeln die Physiotherapie-Fachleute heute selbst verantwortlich, analytisch, problemorientiert und gezielt. Der physiotherapeutische Denkprozess aus Untersuchung, Analyse, Behandlung und Evaluation stellt das Grundgerüst physiotherapeutischen Handelns dar.

Im Gespräch nach Ursachen suchen

Das Gespräch (die physiotherapeutische Anamnese) ist ein wichtiger Teil der Untersuchung. Aus diesen Informationen bilden Physiotherapie-Fachleute erste Hypothesen zu möglichen Ursachen der Beschwerden und steuern damit gezielt die weitere Untersuchung.

Weiterführende Tests schaffen Klarheit

Anschliessend untersuchen sie die Patientin oder den Patienten mit verschiedenen Methoden und Techniken. Tests sicher auswählen und sorgfältig umsetzen sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Ergebnisse adäquat interpretiert werden können und zu korrekten Schlussfolgerungen führen.

Behandlung laufend anpassen

Auf der Basis ihrer Fachkompetenz entwickeln Physiotherapie-Fachleute anschliessend selbstständig Behandlungskonzepte, die sie auf die individuellen Beschwerden der Patientin oder des Patienten abstimmen. Die Konzepte setzen sie mit adäquaten Massnahmen um. Wiederholt evaluieren Physiotherapie-Fachleute – oft gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten – die Behandlung, um sie laufend den aktuellen Bedürfnissen anzupassen.

Arbeitsfelder und Einsatzorte

Die Physiotherapie ist ein breit gefächerter Beruf. Nach der Ausbildung arbeiten viele Kolleginnen und Kollegen in einer Klinik oder in einer privaten Physiotherapiepraxis.
Die Komplexität und der grosse Umfang möglicher Tätigkeiten führen vermehrt zu einer Spezialisierung. Die wichtigsten Spezialgebiete sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Bewegungsapparat, mit den Fachgebieten wie z. B. Orthopädie, Chirurgie, Rheumatologie
  • Innere Organe (v.a. Lunge und Herz-Kreislauf- und Gefässsystem)
  • Nervensystem
  • Gynäkologie
  • Geriatrie
  • Pädiatrie

In den privaten Praxen sind aber nach wie vor in erster Linie Generalistinnen und Generalisten gesucht.

Typische Arbeitsstellen für Physiotherapie-Fachleute sind:

  • Kliniken (Akutbereich oder Rehabilitationsbereich)
  • Alters- und Pflegeheime
  • private Physiotherapiepraxen
  • Gesundheitszentren/HMO-Praxen
  • Behinderteninstitutionen
  • Trainingszentren
  • Sportverbände und -vereine

Physiotherapie-Fachleute mit mehrjähriger Berufserfahrung können sich auch selbstständig machen und eine eigene Physiotherapiepraxis führen. Nach mehrjähriger Weiterbildung besteht auch die Möglichkeit, als Dozentin oder Dozent in der Physiotherapie-Ausbildung tätig zu sein.