Vom Schweizergardisten zum Pflegefachmann

Interview mit Geri Pfammatter Mollet
Dipl. Pflegefachmann/IMC

Ihr Werdegang verlief nicht gradlinig: Welche beruflichen Stationen haben Sie durchlaufen, bevor Sie Pflegefachmann wurden?

Ursprünglich habe ich Elektromonteur gelernt, ohne jedoch auf dem Beruf zu arbeiten. Stattdessen ging ich nach Rom und war drei Jahre in der Schweizergarde. Danach bin ich viel gereist, nach England und in die USA. Zurück in der Schweiz war ich im Sicherheitsdienst der UNO und habe nebenbei die Matura nachgeholt. Anschliessend habe ich den Weg zum Pflegefachmann gefunden.

Welche Argumente haben Sie vom Beruf des Pflegefachmanns überzeugt?

In der Pflege habe ich die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Ausserdem ist Pflegefachmann ein sicherer Beruf. Denn: Pflege wird es immer brauchen. Für den Pflegeberuf hat mich schliesslich auch die Erfahrung als Patient inspiriert. Durch einen operativen Eingriff lernte ich den Spitalalltag und die Tätigkeiten der Pflegefachpersonen kennen. Als ich erfahren habe, dass Pflegefachpersonen auch im Ausland arbeiten können, hat mich dies vollends überzeugt.

In welchem Betrieb und in welcher Funktion arbeiten Sie heute?

Ich arbeite – bereits seit 23 Jahren – Teilzeit als Pflegefachmann auf der Intermediate Care Abteilung (IMC) der Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals Universitätsspital Bern. Daneben bin ich noch als Yoga-Lehrer tätig.

Welche Tätigkeiten führen Sie auf der Intermediate Care Abteilung (IMC) im Inselspital aus?

Ich betreue und pflege postoperative Patientinnen und Patienten. Das sind Patientinnen und Patienten, die einen operativen Eingriff hinter sich haben und deren Körperfunktionen überwacht werden müssen. Die Patientinnen und Patienten werden entweder direkt vom Operationssaal (nach grossen Gefässeingriffen) oder von der Intensivstation (nach Herzoperationen) auf die IMC verlegt. Dabei unterstütze ich medikamentös die Funktion der wichtigsten Organe wie Herz, Lungen Nieren usw. Zu meinen Aufgaben gehört auch, die Patientinnen und Patienten in ihren täglichen Bedürfnissen zu unterstützen: Körperpflege, Ausscheidung, Essen usw. Einmal pro Woche obliegt mir die Tageskoordination des Teams.

Was ist das Spannende an Ihrer Arbeit?

Häufig betreue ich multimorbide (mehrfacherkrankte) Patientinnen und Patienten, deren Diagnosen manchmal seitenlang und sehr umfassend sind. Ich werde in meinem Berufsalltag mit verschiedensten Krankheitsbildern konfrontiert, so dass kaum Routine aufkommt. Auch der Austausch im mehrsprachigen und kulturell heterogenen Team ist abwechslungsreich.

Welche weiteren Eigenheiten Ihres Berufs schätzen Sie?

Als Pflegefachmann arbeite ich eng mit anderen Menschen zusammen – mit Patientinnen, Patienten, deren Angehörigen und meinem Team. Ich erlebte schon manche intensive Begegnung. Und unbezahlbar sind das Vertrauen und die Dankbarkeit, die ich immer wieder von Patientinnen und Patienten erfahre.

Wie ist es, als Mann inmitten vieler Frauen zu arbeiten?

Ich empfinde mein Mitwirken im Team als förderlich für den Teamgeist, für die Energie im Team. Ebenfalls nehme ich wahr, dass meine weiblichen Teamkolleginnen es schätzen, dass ein männlicher Mitarbeiter in gewissen Situationen eine andere Perspektive hineinbringt. Nach grossen chirurgischen Eingriffen entwickeln Patientinnen und Patienten häufig ein Durchgangssyndrom (Verwirrtheit, Delir...). Dabei schätzen es meine Kolleginnen, wenn ich sie unterstütze kann. Die Anwesenheit beider Geschlechter erfahre ich als Ergänzung, die in der Hektik des Pflegealltags für Entspannung sorgt.

Was teilen Sie einem potenziellen Studierenden mit, der noch mit der Anmeldung zum Bachelor-Studium Pflege zögert?

Die Aufgaben in der Pflege sind vielfältig und der Beruf bietet viel Flexibilität. Gerade für Studierende, die gerne reisen, eine Familie haben oder andere Hobbies verfolgen, ist dies kostbar. Ausserdem ermöglichen die nötigen Kompetenzen und die Erfahrung selbstständiges Arbeiten. Ich rate Interessierten, in einem Spital zu schnuppern, so dass sie sich ein Bild von den Tätigkeiten machen können. Ausserdem bietet die Pflege viele Weiterbildungen zur fachlichen und persönlichen Entwicklung.