E-Health und Augmented Reality: Pflegefachmann als Beruf mit Zukunft


Benjamin David Rapphold wuchs quasi in den Pflegeberuf hinein. Seine Mutter gründete im deutschen Münster eine Drogenentzugsstation. Als er neun Jahre alt war, erhielt sie von der Privatklinik in Meiringen das Angebot, auch dort eine solche Station aufzubauen. So kam die Familie in die Schweiz. Und der junge Benjamin war immer dabei, sass mit dem Pflegepersonal am Mittagstisch. Und wusste bald: Er wollte in seinem Berufsleben mit Menschen zu tun haben, sie unterstützen und weiterbringen. Dieser Wunsch erhärtete sich während eines Praktikums in der medizinischen Notfallabteilung am Spital Thun. Seine Ausbildung zum Pflegefachmann schloss er auf dem Diplomniveau 2 (DN2) ab, was der heutigen höheren Fachschule (HF) entspricht. 

Zwischen Hochschule und Gesundheitsversorgung

Der Wissensdurst, sagt er, sei damit aber noch längst nicht gestillt gewesen. Berufsbegleitend absolvierte er während zwei Jahren das Bachelorstudium in Pflege. Das anschliessende Studium Master of Science in Pflege schloss er mit einer grossen quantitativen Studie zum Thema Medikamentenfehler ab. Seit drei Jahren arbeitet Benjamin Rapphold als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berner Fachhochschule Gesundheit, wo er auch im Bachelorstudium unterrichtet. Zudem ist er am Spital Thun als Pflegeexperte im Bereich Pflegentwicklung und -projekte tätig. Ende 2017 hat er an der Universität Bern den berufsbegleitenden Master of Medical Education mit einer mixed-methods Pilotstudie über ein neues Prüfungssystem erfolgreich abgeschlossen.

«Pflege als zukunftsträchtiger Beruf»

Der Pflegeberuf habe sich in den vergangenen Jahren markant entwickelt, erläutert Benjamin Rapphold, die Tätigkeiten reichten inzwischen von der reinen Pflege über betriebsökonomische Aufgaben bis hin zu klinischen Körperuntersuchungen: «Kein anderer Job bietet soviel berufliches Entwicklungspotenzial, wie es einem der Pflegeberuf ermöglicht.» Mit der entsprechenden Ausbildung sei es heutzutage möglich, dass Pflegefachpersonen bei Patientinnen und Patienten eine körperliche Untersuchung, das sogenannte «Clinical Assessment», durchführen. Diese Untersuchung beinhaltet zum Beispiel das Abhören der Lunge oder das Abtasten des Bauches, was die Behandlungsqualität im Gesundheitswesen deutlich verbessert und zukunftsweisend ist.

Schon jetzt nimmt die Schweiz bezüglich «Clinical Assessment» im deutschsprachigen Raum eine Vorreiterrolle ein. Benjamin Rapphold: «Die Pflege von heute ist eine starke, anspruchsvolle und zukunftsweisende eigenständige Profession. Das Bild von der Krankenschwester, die das Essen ausgibt und den Nachttopf leert, ist längst überholt.» Auch deshalb, folgert Rapphold, würden heute mehr Männer in den Pflegeberuf einsteigen, als dies früher noch der Fall war. Um dem Anspruch der Pflegeprofession gerecht zu werden, brauche es ein wissenschaftlich fundiertes und praxisorientiertes Studium, das sich am Puls der aktuellsten Entwicklungen im Gesundheitswesen bewege. Deswegen setzt Benjamin Rapphold in seiner Lehre unter anderem Virtual und Augmented Reality sowie E-Health-Elemente ein. Auch professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Mannequins werden hinzugezogen, um möglichst realitätsnahe Simulationen aus dem Gesundheitswesen abzubilden.